21.04.2017 12:15 Uhr

Saisonziel soll Austria im Derby beflügeln

Thorsten Fink fordert von seiner Mannschaft alle Teile und Facetten des Spiels zu bringen
Thorsten Fink fordert von seiner Mannschaft alle Teile und Facetten des Spiels zu bringen

Am Sonntag (ab 16:30 Uhr im weltfussball-Liveticker) trifft die Wiener Austria im 321. Stadtderby auswärts auf Rapid. Beide Teams scheinen ihre Krisen überwunden zu haben. Die Veilchen sehen den Motivationsbonus auf ihrer Seite.

Die 321. Auflage des großen Wiener Derbys ist gleichsam das Duell Dritter gegen Sechster. 16 Punkte beträgt der Vorsprung der Austria auf ihren Erzrivalen. Vor dem vierten und letzten Vergleich dieser Saison (1-1-1) unterscheiden sich die Klubs vor allem in einem Punkt, wie Austria-Trainer Thorsten Fink feststellte: "Wir können unsere Ziele erreichen, Rapid nicht. Das ist für uns ein Anreiz." 

Sportdirektor Franz Wohlfahrt gab sich "wie vor jedem Derby vorsichtig" mit seiner Prognose. "Jeder Ausgang ist möglich. Für uns geht es um mehr, aber sie werden gegen uns nicht verlieren wollen."

Die Veilchen sind nach dem 3:0 in Mattersburg im Dreikampf mit Sturm Graz und SCR Altach um zwei Europacupstartplätze noch gut dabei. Grün-Weiß erlebte binnen eines Jahres den Absturz vom Serien-Vizemeister und Titelträumer zum Abstiegskandidaten. Wenngleich das 3:0 gegen Altach am Osterwochenende diese Sorgen wieder beiseite schob und ein gnädiges Cup-Los weiter auf die internationale Bühne hoffen lässt. 

Fink vs. Trainer-Ringelspiel

Thorsten Fink trifft am Sonntag auf seinen bereits dritten Trainerkontrahenten in dieser Derby-Saison. Goran Djuricin hat als Interimscoach Damir Canadi beerbt. Dieser war im November dem im Sommer für Zoran Barisic geholten Mike Büskens nachgefolgt. "Ein Trainerwechsel bringt immer neue Impulse. Auch wenn es nur kurzfristig ist", war Fink überzeugt. Als Betreuer des Regionalligisten ASK Ebreichsdorf zwang Djuricin die Austria im Achtelfinale des ÖFB-Cup in die Verlängerung. "Sie haben uns geärgert, aber wir haben gewonnen", so Fink dazu. Eine Krisentruppe, wie in den letzten Monaten erwartet der Deutsche im Derby nicht. "Das macht sie gefährlich, weil sie ja doch gute Spieler haben."
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"Wir werden trotzdem unser Spiel machen", gab Fink die Marschroute beim Pressetermin im Rahmen der Baustellenbesichtigung der Generali Arena vor. "Wir müssen alle Teile und Facetten eines Spieles zu hundert Prozent bringen, um ein Derby zu gewinnen", so der 49-Jährige. "Wir werden verteidigen müssen, aber auch unsere Ballbesitzphasen haben." Ein Unentschieden sei nicht mehr als ein Minimalziel.

Violette Wochen der Wahrheit

Für die Austria ist das Derby der Start in die Wochen der Wahrheit. Es folgen ein Heimspiel gegen Sturm Graz sowie eine Auswärtsfahrt nach Altach. Mit wie vielen Punkten aus den drei Spielen der Austria-Coach zufrieden wäre, sei für ihn schwierig zu sagen. "Immer erst an das Wochenende denken", sagte Fink, dessen Verbleib bei der Austria sich bereits entschieden hat.
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Zuletzt haderte die Austria mit sich selbst. Beim leidigen Gegentor-Thema versuchte Thorsten Fink das Positive hervorzuheben: "Das sieht sich blöd an, aber wir haben auch elf Mal zu Null gespielt." 42 Gegentreffer sind es bislang. Nur die Abstiegskandidaten haben mehr erhalten. Trotzdem steht beim Torverhältnis ein Plus vor der Elf. Fink glaubt, eine Ursache identifiziert zu haben: "Wir müssen lernen, auch ein verlorenes Spiel zu verwalten." Tatsächlich ist seine Mannschaft in dieser Saison nicht nur einmal regelrecht auseinander gebrochen.

Das 0:5 beim alten und wohl neuen Meister Salzburg hatte sogar lange Nachwirkungen. "Die Spieler waren total enttäuscht, weil wir uns vorgenommen haben RB anzugreifen. Dann kam mit Admira die zweitbeste Frühjahrsmannschaft mit unheimlichen Selbstvertrauen. Wir waren nicht spielsicher. Es ist alles zusammengetroffen."

Austria reist gern in den Westen der Hauptstadt

Rapid unterscheide sich von den Abstiegskandidaten in den letzten beiden Runden dadurch, dass sie "das Spiel machen" wollen. "Dass wir stark Kontern können, hat sich ja mittlerweile herumgesprochen", war sich Fink allerdings auch bewusst. Auswärts täte sich die Austria leichter. "Weil nicht bei jedem Angriff gleich eine Torchance erwartet wird. Man kann sich auch mal Zeit lassen. Es nervt die Anderen, wenn sie zu Hause nicht im Ballbesitz sind."

Im ersten Derby im neuen Rapid-Stadion haben die Veilchen mit dem 2:0 durch Raphael Holzhauser und Alex Grünwald nicht nur einen Sieg für die Geschichtsbücher eingefahren, sondern den Hütteldorfern dort auch ihre erste Liga-Niederlage zugefügt. Thorsten Fink wird seine Spieler an diesen Moment erinnern. "Aber ob es was bringt? Jedes Spiel wird neu gespielt."

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Sebastian Kelterer

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